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Gespenst

Baujahr 1983

Tywek, Polyester/Polyaetylen, Bambus

Jungfernflug in Braunschweig, Franzsches Feld.

 

Mein schönster Drachen.

Eigentlich war es schon seit langem fällig; die Bastelwut war zu groß geworden, da halfen auch keine gut gemeinten Einwände der Angetrauten wie:
„Du hast doch schon so viele Drachen, wozu noch einen?“

Jetzt musste ein Drachen gebaut werden!
Aber, was für einer? Die meisten klassischen Modelle sind schon nachempfunden. Nein, dieses Mal sollte es etwas noch nie Gezeigtes werden!

Also, brainstorming! Was fliegt so alles in der Luft herum?
Teller, Tassen, Gläser (nur bei uns?!) Vögel, Supermänner, Flugzeuge, Raketen, Insekten, Fische (ja, es gibt fliegende Fische, habe schon welche gesehen), Hexen, Gespenst…halt!
Ein Gespenst! Warum denn nicht? Ist das die gesuchte Herausforderung? Machen wir mal ein paar Skizzen.
Natürlich muss es freundlich sein, Gespenster lachen immer, außerdem würde ein „Schreck-Gespenst“ nur Panik unter den Betrachtern und Drachenfreunden hervorrufen.
Immer deutlicher wird das Design. Als „Hemd-Material“ steht Tywek fest, nun muss der ganze Kerl noch ein Rückgrat bekommen.
An dieser Gestaltungsstufe wurde der Gedanke geboren, die Zwischenräume zwischen Körper und Armen mit glasklarer Folie zu schliessen. Heh! Jetzt kann man schon ganz deutlich die Kreuzung von Delta und Schlange erkennen!
Die Zuversicht in die Flugtauglichkeit wächst.
Bleibt eigentlich nur noch das Thema: glasklare Folie.
Um den geneigten Leser nicht mit den Näh- und Festigkeitsversuchen unterschiedlichster Verbundmaterialien zwischen Polyester, Poliamid, Polypropylen oder Polxaethylen zu langweilen, darf ich das Ergebnis mitteilen. Es wurde Polyester/ Polyäthylen, ganz normal zu nähen und weitgehend knickunempfindlich.
Der Rest ist Routine Arbeit!
Die Dimensionen bestimmten sich ganz klar aus der frei zur verfügbaren Zimmerfläche, bei 5,,60 Metern ist Ende!
– Gott sei Dank, wohnen wir nicht in einer Turnhalle –
Der Jungfernflug war für das Drachenfest in Braunschweig geplant. Normalerweise prüfe ich meine Flugobjekte im Garten hinter dem Haus. Hier kenne ich zu jeder Windrichtung die Wirbel und kann mich ziemlich treffsicher an die gewünschten Flugeigenschaften heranarbeiten. Das Experimentierfeld ist aber in neuerdings um einen Gartenteich kleiner geworden, welche Tatsache zu einer eventuellen „Gespensterwäsche“ geführt hätte.
Also, Braunschweig!
Das Ungetüm liegt in seiner vollen Größe auf dem Rasen, der Wind ist leicht bis mäßig, die dreischenklige Waage – 5 Meter lang- wird nach Augenmaß montiert, gar nicht so einfach bei dem respektlosen Minimalabstand der Zuschauer.
Der Junior trägt den Drachen 30 Meter von den Zuschauern weg und dann kommt der lang erwartete Augenblick. Ein paar Züge an der Leine und das Gespenst fliegt!!!
Taumelnd, schaukelnd liegt es auf dem Wind. Applaus!
Die Kinder rufen: „Hui…buh!“
Der „erhebende“ Moment war auch am nächsten Tag mit Foto in der Zeitung zu sehen, aber was mussten wir lesen: …nach mehreren Versuchen gelang es….
(Originaltext der Braunschweiger Zeitung)
Mittlerweile hat Kunibert alle bedeutenden Drachenfliegerplätze kennengelernt, ob bei Tag oder Nacht. Er kann dicht über dem Boden schweben, pfeilartig in die Luft gehen oder in der Luft zu Musik tanzen…..
mein schönster Drachen!

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